Seetransporte: Mit Riskmanagement Transportschäden reduzieren

15.04.2020 10:39

In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Seeschifffahrt stark gewandelt, viele Risiken sind aber unverändert Bestand des Seetransportes. Transportschäden sind hierfür ein gutes Beispiel und gehören weiterhin zum Alltag vieler Schifffahrts-Unternehmen. Ein gutes Risikomanagement und eine bessere Datennutzung und -analyse können hier Abhilfe schaffen und Schäden an Waren und Produkten reduzieren. Experten sind sich einig: Die Schifffahrtsbranche erzeuge zwar jede Menge Daten, könne sie aber noch besser ausschöpfen und Erkenntnisse und Warnungen, die sie in Echtzeit erhalten, besser nutzen: Mit der Analyse von Daten rund um die Uhr könnten zum Beispiel neue Einblicke in die Umgebungsbedingungen, die während eines Seetransportes vorherrschen, gewonnen werden und sich Trends ableiten lassen, die zur Reduzierung von Schäden beitragen.

Risiken in der Ladungssicherheit im Seetransport

Eine große Rolle spielt hier die Ladungssicherung: Auf hoher See wirken starke Kräfte auf ein Containerschiff. Es rotiert, je nach Wellengang, unterschiedlich stark um seine Achsen. Rollbewegungen können zum Beispiel zu extremen Beschleunigungen führen und zu erheblichen Warenbeschädigungen im Container führen. Bei starkem Wellengang ist es nicht unüblich, dass sich ein Containerschiff um mehr als 30° zur Seite neigt. Die Containerbefestigungen könnten dadurch reißen, sodass es passieren kann, dass eine schwere Maschine in rollender See nicht nur die Wände des eigenen Transportbehälters sprengt, sondern auch noch an die benachbarten Container stößt und weitere Waren beschädigt. Rund 40 Boxen waren so beispielsweise auf einem Hapag-Lloyd-Schiff während der Reise aus China beschädigt worden. Anderthalb Wochen dauerte es im Hamburger Hafen, die verkeilten Stahlkisten auseinanderzuschneiden und es kam zu enormen Produktschäden.

Auch die Auslastung der Ladekapazität hat einen Einfluss auf die Ladungssicherheit. Containerschiffe, die beispielsweise aus Asien nach Europa kommen, sind tendenziell voller beladen als in der Gegenrichtung. Sie tauchen infolge des großen Gewichtes tiefer ins Wasser ein, was ihnen Stabilität verleiht. Auf dem Rückweg sind sie jedoch oft nur halb beladen, ragen dementsprechend weiter aus dem Wasser heraus und erhöhen somit die potenziellen Angriffsflächen für Wellen und die in den Frachträumen befindlichen Container.

Zudem werden viele Containerschiffe im Hafen entgegen der Idealvorstellung ungleichmäßig beladen. Das Gewicht der Container ist also nicht gleichmäßig über die zur Verfügung stehende Fläche verteilt, was dazu führt, dass das Schiff nicht in optimaler Position im Wasser liegt und zu Neigungen führen kann, die wiederum Ursache für Produktschäden bei äußerst sensiblen Waren wie zum Beispiel Fenster und Türen aus Glas sein können. Ursache für die meisten Frachtschäden sind in der Regel jedoch die unsachgemäße Verstauung der Fracht und die klimatischen Bedingungen innerhalb des Containers.

Klimatische Beanspruchung von Seeladungen

Jedes Jahr kommt es während See-Transporten - durch klimatische-Einflüsse- in den Luken und in den Containern zu Nässe- und Feuchtigkeitsschäden in erheblicher Höhe. In den letzten Jahren wurden beispielsweise Lebensmittelrohprodukte wie Kaffee und Kakao oder temperaturempfindliche Medikamente durch Schädlingsbefall und Feuchtigkeit stark beschädigt und waren für den Verkauf unbrauchbar. Die Kosten, die für Unternehmen dabei entstanden, sind in die Millionen gegangen.

Transport-Monitoring minimiert Produktschäden und sichert Regressansprüche

Mit der Nutzung von Datenloggern zur Transportüberwachung kann während des Seetransportes vielen Risiken und Transportschäden vorgebeugt werden, bevor sie auftreten. Hierzu werden die Datenlogger am Transportgut installiert, bevor das Frachtgut in die Container verfrachtet wird. Durch die Daten-Rekorder können Daten verschiedenster Ereignisse während des Seetransportes wie Stöße, Neigungen, Beschleunigung, Wirkrichtung der Beschleunigung als auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit innerhalb definierter Grenzwerte registriert werden. Zusätzlich können durch integrierte GPS-Funktionen auch Standorte aufgezeichnet und Warnmeldungen bei drastischen Überschreitung von Grenzwerten gesendet werden, sodass Maßnahmen ergriffen werden können, um Schäden noch rechtzeitig zu erkennen bzw. zu verhindern.

Ein weiterer Vorteil von Datenloggern: Die Aufzeichnung der Transportbedingungen kann sowohl zur Wahrung von Regressansprüchen dienen als auch zur Sicherung der eigenen Interessen zur Abwehr von Reklamationen. Außerdem können die gewonnenen Daten auch dazu dienen, bei der Planung zukünftiger Transporte Prozesse zu überprüfen und die Transportkette zu optimieren. Dies wird auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen, wie gerade bei der durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferketten-Unterbrechung zusehen ist. Der Schifffahrtssektor hat aus Schäden in der Vergangenheit gelernt, aber ein vorausschauendes Riskmanagement und die Nutzung von Datenloggern können künftig, Transportschäden während des Seetransportes reduzieren und Kosten im erheblichen Ausmaße einsparen.


Kommentar eingeben