Corona-Pandemie: Wie Firmen ihre Lieferketten mit einem Riskmanagementsystem schützen können

25.03.2020 08:09

Die weltweite Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 hat die Welt im Griff und stört die Lieferketten vieler Unternehmen in zunehmenden Maße. Keine Firma, die derzeit nicht über Lieferprobleme klagt: Nach Recherchen des Riskmanagement-Spezialisten Riskmethod haben in Deutschland aktuell 81 Prozent der Unternehmen Versorgungsprobleme in ihrer Transportkette. Opel zum Beispiel, der Autohersteller aus Rüsselsheim, hat die Produktion derzeit ganz eingestellt, ebenso VW in Wolfsburg. Um das Risiko, in eine solche Situation zu geraten, zu verringern, sollten Unternehmen frühzeitig in ein funktionierendes Riskmanagementsystem investieren. Wie das funktionieren kann? Welche Vorteile es bringt und was in der derzeitigen Krisensituation zu tun ist, erklären wir in unserem Blog-Artikel.

Transparenz in der Lieferkette schaffen

Zunächst ist es für Firmen wichtig einen Überblick über ihre Lieferkette, ihre Lieferanten und deren Zulieferer zu bekommen, um so bestehende Probleme schnellstens zu identifizieren und Lösungen zu erarbeiten. Wichtig ist eine Übersicht über alle noch offenen Bestellungen und darüber, für welche Herstellungsprozesse die georderte Ware gebraucht wird. Auf dieser Grundlage kann dann bestimmt werden, welche Dienstleister dringend benötigte Waren liefern können und welcher Zulieferer durch das Coronavirus betroffenen ist, weil er in einem der stark betroffenen Ländern produziert. Mit diesen Firmen sollte Kontakt aufgenommen und die Produktions-Probleme besprochen werden.

Sollten sich die Probleme als schwerwiegend erweisen, ist es wichtig, nach Alternativlieferanten zu suchen und auch nach zusätzlichen Produkten, die als Alternative geliefert werden können, um die Lieferengpässe teilweise zu kompensieren. Zudem sollte mit den eigenen Kunden gesprochen werden, um ihnen mitzuteilen, dass es zu Produktionsverzögerungen kommen kann. Viele Unternehmen vergessen das oftmals in der derzeitigen Krisensituation. Dabei ist Transparenz und Offenheit wichtig, um zusammen mit dem Kunden nach Lösungen zu suchen. Sollten Engpässe bereits bestehen, wäre eine Möglichkeit, bei noch zu liefernden Herstellern größere Produktmengen für das Lager zu bestellen und vorzuhalten. Das würde zunächst den eigenen Geldbeutel belasten, stellt dafür aber die eigene Lieferfähigkeit sicher. 

Durch die aktuell schwierige Lage können sich Situationen ständig ändern. Deshalb sollte die Lieferkette permanent beobachtet werden. Zum Beispiel liefern etablierte Monitoringsysteme Transportdaten darüber, wo sich die zu liefernde Ware befindet und wie die Transportbedingungen sind. So können Transport-Datenlogger zum Beispiel, Daten liefern, ob eine Ware noch transportiert wird oder sich noch in einem Zwischenlager befindet, weil der Transporteur durch finanzielle Probleme ausgefallen ist. Im Unternehmen sollte ein Mitarbeiter bestimmt werden, der diese Daten sammelt und auswertet. Zudem sollten Presseberichte und Online-Medien aufmerksam verfolgt werden. Google Alert kann zum Beispiel immer aktuelle Nachrichten zu bestimmten Lieferanten liefern, um so auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können.

Datengenerierung im eigenen Unternehmen

Auch selbst ist man als Firma Teil der Lieferkette und auf Zulieferer angewiesen. Es ist deshalb wichtig, Daten aus unterschiedlichen Quellen des Unternehmens zusammenzutragen, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Wenn beispielsweise Auftragsbestätigungen unpünktlich kommen, Bestellungen zu spät eintreffen oder keine Vorauszahlungen mehr gezahlt werden, können das Anzeichen sein, dass Zulieferer, Dienstleister oder Transporteure in Schwierigkeiten geraten. Der Blick auf die Ratings der Lieferanten reicht in der aktuellen Krise nicht mehr aus und lässt wichtige Daten aus dem Unternehmen selbst und der Presseberichterstattung außen vor.

Datenauswertung und Monitoring

Sind genügend Daten aus dem Unternehmen gesammelt, sollten die Zahlen geordnet und priorisiert werden. Entscheider sollten sich die Frage stellen, was würde es mich kosten, wenn der Lieferant ausfällt? Muss das Werk geschlossen werden? Und sollten Alternativprodukte mit Aufpreisen geordert werden, um über Engpässe hinwegzukommen? Das darauf erstellte Riskmanagement-Konzept sollte nicht in der Schublade verschwinden, sondern auch angewendet werden. Speziell die Überwachung der Lieferkette durch die Etablierung eines Monitoringsystems ist eine fortlaufende Aufgabe. Zudem sollte die Risikoanalyse in regelmäßigen Abständen überprüft werden, damit sie jeweils auf die aktuellen Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt wird.

Riskmanagement zahlt sich langfristig aus

Die Investition in ein funktionierendes Riskmanagementsystem ist ein Invest, das sich langfristig bezahlt macht. Denn auch in Zukunft werden Naturkatastrophen oder Virus-Epidemien ausbrechen und Lieferketten erheblich beeinträchtigen. Doch auch schon bei alltäglichen Transportkettenproblemen machen sich Risikomanagementsysteme  – beispielsweise durch die Etablierung eines Trackingsystems, das Transporte auf Stöße, Temperatur, Feuchtigkeit oder Neigungen überwacht - bezahlt. So können Schäden in Millionenhöhe vermieden und Kosten eingespart werden. Die Investition in ein professionelles Risikomanagement rechnet sich dann schnell. In der Praxis heißt das: Kritische Materialien und somit Lieferanten identifizieren, Transparenz in der Lieferkette schaffen, Szenario basierte Krisenstrategien erarbeiten und strategische Lieferantenpartnerschaften darauf basierend aufbauen.


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