Automobilindustrie: Risiko Lieferkette erfolgreich meistern

08.04.2020 09:42

Lieferketten in der Automobilindustrie sind komplex, weit verzweigt und bergen viele Risiken: Fällt ein Partner beispielsweise in der Kette aus, - wie jetzt in der Corona-Pandemie – setzt eine Dominoeffekt ein und die Produktion steht bei vielen Automobilherstellern und Zulieferern plötzlich still. Wie komplex die Lieferkette in der Autobranche ist, bestätigte kürzlich auch ein CEO eines deutschen Automobilkonzerns: Danach bezieht das Unternehmen 140 Milliarden Teile pro Jahr von 17.000 Zulieferern, die in 130 Werken in 24 Ländern produzieren. Beim Transport überschreitet jede Komponente durchschnittlich viermal eine Landesgrenze bevor es zur Autofertigung genutzt werden kann. Es ist leicht vorstellbar, dass Ausfälle in der Lieferkette und Transportschäden erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft haben können und zu enormen Umsatzeinbußen führen. Wie groß diese Auswirkungen sein können, sehen Industrieversicherer jährlich an den globalen Schaden-Trends in der Feuerversicherung. Dort gibt es eine Tendenz zunehmender Rückwirkungsschäden in der Automobilbranche

Für Supply Chain Manager, die in der Automobilbranche tätig sind, ist es eine einfache Rechnung: Je komplexer die Struktur der Lieferkette ist, je vielfältiger die Verflechtung zu den Unterlieferanten und je feingliedriger die Prozessstruktur sind, desto bedeutsamer wird das Thema Transparenz in der Lieferkette: Der Digitalisierung kommt hier eine bedeutsame Rolle zu. Doch geht es zunächst darum, zu analysieren und festzulegen, wie die Transparenz überhaupt hergestellt werden soll und für welchen Bereich innerhalb der Lieferkette.

Deshalb sollte beim Thema Transparenz sowohl der Blick in das eigene Unternehmen und die dazugehörige Lieferkette als auch auf die beteiligten Unterlieferanten und Zulieferer gerichtet werden. Letztlich muss es das Ziel sein, durch Transparenz über eine entsprechend leistungsfähige und effektive Lieferkette zu verfügen, die schnell auf Probleme innerhalb der Transportwege und der Zusammenarbeit mit Zulieferern reagieren kann.

Transparenz in Lieferketten-Risiken bringen

Viele Automobil-Unternehmen überdenken ihre Lieferketten doch oftmals zu spät und erkennen Risiken erst, wenn Lieferketten ausfallen oder sich die Liefertermine durch Transportschäden immer wieder verzögern. Plötzlich identifizieren sie Risiken, an die sie vorher nie gedacht hatten – etwa, wenn ein wesentlicher Teil der Zulieferung wegbricht, weil sie an einem einzigen Lieferanten hängt. Oder weil Transportschäden immer bei einem bestimmten Zulieferer oder Transporteur passieren und wichtige Auto-Komponenten zur Fertigung beschädigt geliefert werden und die Produktion verzögern.

Doch erst wenn Unternehmen ihre Risiken kennen, können sie ihre eigenen Risiko-Handlungsanweisungen definieren. Die Geschäftsführung hat am Ende einer Risikoanalyse verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten: Sie kann einen Teil des Risikos kalkuliert eingehen und in der eigenen Bilanz übernehmen. Sie kann aber auch im Sinne einer Präventions-Strategie Arbeitsprozesse überdenken und technische Hilfsmittel – Stichwort Digitalisierung – einsetzen, damit die Lagerhaltung und Lieferketten optimiert werden, um so zum Beispiel Lieferkettenbrüche zu überbrücken und Lieferverzögerungen durch Transportschäden zu minimieren.

Digitalisierungspotenziale bestimmen

Für viele ist Digitalisierung inzwischen zu einem gern genutzten Schlagwort geworden. Doch wie kann der richtige Weg für ein Automobilkonzern aussehen, um wirklich Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen?

Letztendlich müssen digitale Potentiale im Unternehmen erkannt werden, um Daten im Konzern und in der automobilen Lieferkette mit allen dazugehörigen Zulieferern zu erheben. Nur so können Transparenz in den Prozessen erreicht, Probleme erkannt und auf Störungen in der Lieferkette reagiert werden.

Möglich wird dies durch die Verfügbarkeit der relevanten Daten in Echtzeit. So verfügt das Unternehmen dann über eine optimierte Prozessstruktur und Lieferkette, die in Echtzeit informiert und bei Problemen sehr schnell angepasst werden kann. Dies lässt sich sehr gut am Beispiel von Transportschäden in der Lieferkette veranschaulichen.

Echtzeit-Datenlogger schaffen Transparenz

Transportschäden machen innerhalb der Lieferketten in der Automobilindustrie einen großen Anteil aus und führen oftmals zu schwerwiegenden Produktionsverzögerungen. Mit einem Echtzeit-Datenlogger, der an Autoteilen angebracht wird, um Stöße, Temperaturveränderungen, Neigungen oder Luftfeuchtigkeit zu registrieren, die während des Transports auftreten, können Schäden minimiert werden. Beim Versand werden Autokomponenten oft zwischengelagert, auf andere Transportmittel geladen und über verschiedene Ländergrenzen transportiert, bevor sie die Fabrik zur Endmontage erreichen. Dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten, bei denen die Autoteile eventuell beschädigt werden können. Durch Echt-Zeit-Monitore, die bereits während des Transportes Warnmeldungen geben, wenn bestimmte Grenzwerte über- oder unterschritten werden, wird es Automobil-Unternehmen ermöglicht einzuschreiten und drohende Schäden an den Autokomponenten zu verhindern.

So sorgen Echtzeit-Datenlogger für Transparenz in der Lieferkette und für eine sichere Handhabung sowie einen sichereren Transport von Autoteilen und Komponenten. Das wirkt sich auch bedeutend auf die Schadensbilanz aus: Die Ergebnisse variieren, aber die Schadensrate sinkt um bis zu 50 Prozent oder mehr, wenn Echtzeit-Datenlogger beim Transport von Autokomponenten genutzt werden.

Der Digitalisierung der Lieferkette in der Automobilindustrie kommt eine tragende Rolle zu. Durch die Nutzung von Echtzeit-Datenloggern erhalten Automobilkonzerne beispielweise jederzeit einen detaillierten Überblick über die eigene Lieferkette, die Zulieferer, ihre aktuelle Performance und die Umgebungsbedingungen während des Transportes und sie können so Transportschäden und dadurch verursachte Produktionsverzögerungen wesentlich minimieren.


Kommentar eingeben